Entfernte Langeweile + Partizipation + Freiensprecher:innen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

jetzt ist es amtlich! Die Zeit der „Langeweile“ IM rbb ist definitiv vorbei! Alles abgeraspelt und weggekratzt. Der „flotte“, in großen Lettern an die Scheiben des Berliner Fernsehzentrums nach innen(!) geklebte Spruch “BLOSS NICHT LANGWEILEN“ ist Geschichte. Seine Entfernung Anfang der Woche hat es bis in die Tagespresse geschafft. Vielen Kolleginnen und Kollegen war der selbstironisch gemeinte – aber nicht von allen so verstandene – Spruch von Anbeginn ein Dorn im Auge. Denn viele haben den Subtext: „ihr seid ein lahmer Haufen“ immer mitgelesen.  Und man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass unsere ehemalige Intendantin das auch so gemeint haben könnte.

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Lahm und langweilig war es im rbb hingegen nie. Auch nicht vor dem internen Erdbeben, das durch die Krise ausgelöst wurde. Und um im (Wetter-)Bild zu bleiben: momentan wähnen sich viele im Auge des Hurrikans – von der großen Aufregung ist derzeit nichts mehr zu spüren. Das Warten auf die Ergebnisse des angekündigten „Kassensturzes“ führt zu angespannter Ruhe. Eigentlich sollte es noch in dieser Woche eine weitere Belegschaftsversammlung geben. Die hat unsere Interimsintendantin um „ein paar Tage nach hinten“ verschoben. Grund: ein Weg in Richtung Partizipation der Belegschaft soll nächste Woche zunächst mit den Personalvertretungen diskutiert und anschließend in großer (Belegschafts-)Runde vorgestellt werden.

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Wie berichtet gehen die Diskussionen in einzelnen Bereichen ungehindert weiter. Neben den Cutterkolleg:innen und jenen aus dem Playout-Center haben sich auch Kameramenschen und Ton- bzw. Kamera-Assistent:innen mit einem offenen Brief und damit verbundenen Forderungen lautstark zu Wort gemeldet. Tenor: Beteiligung (aka Partizipation) an allen Entscheidungen, die die eigene Tätigkeit beeinflussen. Das betrifft den Einsatz von Mitarbeitenden, Workflows oder die Anschaffung technischen Geräts ebenso wie die gleichberechtigte Kommunikation auf Augenhöhe mit den Führungskräften. Die „Verkündungstransparenz“ vergangener Monate muss endgültig der Vergangenheit angehören, da sind sich alle einig. Und es tut sich was. Der Forderungskatalog der Cutter:innen soll in einem Workshop mit den gewählten Freiensprecher:innen und Führungskräften des Bereichs Ende November auf- und abgearbeitet werden. Angeblich gibt es keine Vorgaben, keine Denkverbote…alles soll auf den Tisch kommen und – auf Augenhöhe – diskutiert werden. Wie wir hören, findet unsere Interimsintendantin den Workshop gut. Wir bleiben selbstverständlich dran, denn auch die Freienvertretung ist eingeladen. #tobecontinued

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Die Kamerakolleg:innen werden in Person ihrer gewählten Freiensprecher:innen an einen Runden Tisch geladen. An dem werden neben Produktions- und Programmdirektor auch Vertreter:innen aus den Redaktionen Platz nehmen. Ein Thema wird sicher die desolate Einsatz-Situation der EB-Teams sein. Die Älteren erinnern sich: etliche Kamerakolleg:innen sitzen rum statt zu drehen und bekommen dafür Ausgleichszahlungen. (Ja, Bestandsschutz sei Dank, wenigstens das. Unter Wertschätzung verstehen viele aber etwas Anderes!) Nach Lesart von Führungskräften blockieren sie nämlich den digitalen Wandel… Bleibt zu hoffen, dass der intensive Austausch der Akteure zu praktikablen Lösungen führen wird. #tobecontinued

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Auch wenn die ganz lauten Töne derzeit fehlen, nimmt die Freienvertretung ernstzunehmende Bestrebungen im Hause wahr, die zu besserer interner Kommunikation führen (können). Und schon ist sie wieder da, die angestrebte Partizipation! Die kann aber nur gelingen, wenn auch die freien Kolleginnen und Kollegen Verantwortung in ihren Bereichen übernehmen. Stichwort: Freiensprecher:innen! Laut Freienstatut (auf dessen  Grundlage wir mindestens bis zum Übergang in den Personalrat 2024 arbeiten), sind die Freiensprecher:innen sozusagen der verlängerte Arm der Freienvertretung in die Bereiche.

§ 15 Delegiertensystem

Als Ansprechpartner der Freienvertretung fungieren die in den Abteilungen und Bereichen gewählten Sprecherinnen und Sprecher der freien Beschäftigten.

Gerade haben Wahlen bei rbbKultur stattgefunden; dort sind drei neue sowie altgediente Kolleg:innen am Start. Herzlich willkommen! Bei den Kamerakolleg:innen wird gerade die Wahl neuer Freiensprecher:innen organisiert. Das freut uns sehr und natürlich stehen wir für das Wahlprocedere mit Rat und Tat zur Seite. Bedauerlicherweise und einem ernstgemeinten Demokratisierungsprozess im Weg steht allerdings die Tatsache, dass es Bereiche gibt, in denen es noch nie Sprecher:innen gegeben hat oder aktuell keine mehr gibt. Deshalb an dieser Stelle noch einmal unser eindringlicher Appell: organisiert euch, wählt Freiensprecher:innen!

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So, und nun noch etwas aus dem Maschinenraum der rbb-Bürokratie. Nicht wenige freie Kolleg:innen mussten sich in der Vergangenheit mit der Umstellung  ihrer brutto/netto gezahlten Honorare auf die SV-Pflicht rumärgern. Noch heute melden sich Freie bei uns, die aufgrund nachfolgender falscher Abrechnungen des rbb Ärger mit der Steuerbehörde oder der KSK haben. Die allermeisten Mitarbeitenden haben aber die Sozialversicherungspflicht, wenn auch murrend, akzeptiert. Nicht zuletzt, weil die Statusfeststellung als Selbständige bei Finanzamt und Rentenkasse umständlich und zeitaufreibend gewesen wäre. Einige haben es dennoch gewagt. Meist solche Kolleg:innen, die für mehrere Auftraggeber arbeiten und für die die Sozialversicherungspflicht empfindliche Einbußen am Einkommen bedeutet hätte. Diese Woche hat uns eine Kollegin hocherfreut von ihrem juristischen Sieg gegen die Rentenkasse berichtet. Dabei hat das Gericht wirklich bemerkenswerte Einschätzungen zu abhängiger versus selbständiger Beschäftigung getroffen. Die Freienvertretung erteilt gerne Auskunft darüber an Interessierte!

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Und zum Schluss noch ein Service-Hinweis: alle, die womöglich durch die Pandemie ausgebremst wurden, haben nun wieder die Möglichkeit, sich in Präsenz über die rbb- Berufsunfähigkeits-Versicherung informieren zu lassen. Den ganzen Oktober über gibt es an den Standorten Berlin und Potsdam die Möglichkeit, an Informationsveranstaltungen teilzunehmen oder individuelle Beratungstermine zu vereinbaren. Die BVUK bietet Sonderkonditionen für rbb-Beschäftigte – ausdrücklich auch arbeitnehmerähnliche – und nein, die Freienvertretung bekommt keine Provision 😉….

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….wünscht der geneigten Leserschaft jetzt aber erstmal:

Schönes Wochenende!

Eure Freienvertretung

Kennenlernrunde + Rundfunkrat + nächste Schritte

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die jetzt zu Ende gehende Woche war von einer gespannten Ruhe geprägt: Kaum Versammlungen, kaum Presseberichte – aber das allgegenwärtige Gefühl, dass mit den nächsten Entscheidungen wichtige Weichen für die Zukunft des rbb gestellt werden. Wie geht es weiter mit dem basisdemokratischen Aufbruch im Haus, den Forderungen nach mehr Belegschaftsbeteiligung und flacheren Hierarchien – aber auch nach Stärkung des Programms und Gleichstellung der Freien?

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Intendantin-Kennenlernen + Mitbestimmung + rbb-Staatsvertrag

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

eine ungewöhnliche Woche geht zu Ende. Ungewöhnlich deshalb, weil nicht eine einzige Belegschaftsversammlung stattgefunden hat, also mal nicht – wie in den vergangenen Wochen – regelmäßig gemeinsam mehr als 1000 Kolleginnen und Kollegen über die Verwerfungen im Sender diskutiert haben. Es fühlt sich ein bisschen an wie ein Vakuum, lässt sich aber ganz gut dadurch erklären, dass wir zwar eine neue Senderspitze haben, Frau Vernau aber erst gestern offiziell ihr Amt angetreten hat. 

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Interimsintendantin + Belegschaftsversammlung + Energiekostenzuschuss

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Intendant*innensuche ist nicht nur kein Zuckerschlecken, wie wir schon letzte Woche festgestellt haben – sie ist auch kein Wunschkonzert. Diese durchaus ernüchternde Erfahrung musste die Freienvertretung in den vergangenen Tagen machen. Unsere Forderung, dem Rundfunkrat eine echte Wahl zwischen mehreren Kandidat*innen zu ermöglichen, konnten wir in der Findungskommission leider nicht durchsetzen.

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Interimsintendantin: Wir brauchen eine echte Wahl!

Zu den Berichten über die Wahl der Interims-Intendantin nimmt die rbb-Freienvertretung Stellung:

Die Freienvertretung hat aus der Presse erfahren, dass der Rundfunkrat morgen über einen einzigen Personalvorschlag entscheiden will. Dabei hätte der Rundfunkrat lediglich die Wahl, sich für oder gegen die jetzige Verwaltungsdirektorin des WDR, Vernau, zu entscheiden.

Die Freienvertretung ist irritiert über diese selbstgewählte Alternativlosigkeit. Wir haben keinen Zweifel an der fachlichen Eignung von Frau Vernau. „Vernau verfügt über Qualifikationen, die dem rbb in seiner derzeitigen Situation helfen können“, sagt Dagmar Bednarek, Mitglied der vierköpfigen Findungskommission und Vorsitzende der Freienvertretung. „Kritik übt die Freienvertretung aber am Verfahren“.

Wir bezweifeln, dass das gewählte Verfahren ohne echte Auswahl für die Rundfunkräte geeignet ist, das Vertrauen der Belegschaft in die Interimsintendantin zu fördern. Das Agieren des WDR-Intendanten im Umgang mit der rbb-Führungskrise wurde in der rbb-Belegschaft mit großer Skepsis wahrgenommen. Allein der Eindruck, mit Frau Vernau werde eine Statthalterin des WDR eingesetzt, wäre eine erhebliche Bürde. Auch die Rolle der WDR-Verwaltungsdirektorin in der aktuellen Tarifrunde belastet das Vertrauen der Belegschaft erheblich. Es gibt Zweifel, ob die Interimsintendantin ihre Schlüsselrolle auch im Interesse der rbb-Belegschaft ausüben wird.

Wir appellieren an den Rundfunkrat, eine echte Wahl zu treffen. Zeitdruck sei kein schlüssiges Argument, sagt Dagmar Bednarek: „Die Findungskommission hatte weitere geeignete Kandidat*innen im Blick, die aber bisher nicht gehört wurden“. Es ist wichtig, die angeschlagene rbb-Geschäftsleitung schnell neu aufzustellen. Genauso wichtig ist, dass die Belegschaft in diesem Prozess mitgenommen wird. Eine “alternativlose“ Entscheidung dient diesem Ziel nicht.

Intendant*innensuche + Medienhauskosten + Belegschaftsbeteiligung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der rbb ist weiter im Auf- und Umbruch! Auch diese Woche hätten wir als Freie von früh bis spät in Belegschafts-, Bereichs- und Abteilungsversammlungen, Teams-Schalten und Präsenz-Workshops gleichermaßen verbringen können, wenn wir nicht „nebenher“ auch noch Programm machen müssten. Die Woche brachte neue Enthüllungen und bislang ungeahnte Abgründe – aber auch schonungslose Aufarbeitung, kühne Ideen und nie dagewesene Möglichkeiten der Mitgestaltung für Mitarbeiter*innen und ihre Vertretungen. Gerade werden die Weichen für den rbb neu gestellt – wir setzen uns nach Kräften dafür ein, dass die Interessen der Freien dabei berücksichtigt werden.

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