Freienversammlung + EB-Krise + Billig-Dokus

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer der Intendantin zur Frühstückszeit mal die Meinung sagen will, braucht entweder Losglück – oder aber eine Freienversammlung. Kaffee und Croissants gibt es derzeit bei beiden Formaten nicht, letztere aber immerhin ohne Begrenzung der Teilnehmer*innenzahl.

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Die Freienversammlung am vergangenen Dienstagvormittag war dabei in doppelter Hinsicht historisch: Erstmals überhaupt fand sie als Hybridveranstaltung online und in Präsenz statt – danke dafür an die Kolleg*innen von der Technik – und noch nie bisher nahmen so viele Menschen an einer rbb-Freienversammlung teil: Bis zu 160 Freie nutzten die Gelegenheit zur Aussprache mit ihren Kolleg*innen und der Geschäftsleitung – davon ca. 135 via Teams und ca. 25 in Präsenz.

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Die nahmen dann auch kein Blatt vor den Mund und konfrontierten Intendantin Patricia Schlesinger, Chefredakteur David Biesinger und Justiziarin Susann Lange mit ihrem geballten Unmut – vor allem über die Blockadehaltung der Geschäftsleitung gegenüber einer Beschäftigungssicherung aka Bestandsschutz für Freie. Kolleg*innen aus vielen Bereichen schilderten die alltäglichen Schwierigkeiten dabei, Dienste zu besetzen, qualifizierte Mitarbeiter*innen zu halten oder gar neue zu gewinnen. Da erscheint es tatsächlich schwer verständlich, warum der rbb sich so sträubt, seinen Freien mehr Sicherheit und Verlässlichkeit zu bieten.  Ein Kollege aus dem Schnitt brachte das in seiner Frage an die Intendantin treffend auf den Punkt: „Der rbb hat sehr viele tolle Journalist*innen. Wollen sie die behalten oder wollen sie die nicht behalten?“ #Wertschätzung #Fachkräftemangel

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„Eher nicht behalten“, scheint momentan noch die Linie des Hauses zu sein. Zwar hatte der rbb nach dem Warnstreik Anfang Mai signalisiert, den Gewerkschaften in Punkto Beschäftigungssicherung entgegenkommen zu wollen. Wie genau er sich das vorstellt, ist aber noch sein Geheimnis. Dieses sollte eigentlich am 10. Juni gelüftet werden, doch der rbb musste den Verhandlungstermin krankheitsbedingt absagen. Die Runde soll nun Ende Juni nachgeholt werden. Wir sind gespannt!

Dass es danach schnell zur Einigung kommt, muss man v.a. nach den Äußerungen von Justiziarin Susann Lange auf der Freienversammlung allerdings bezweifeln: Auch wenn der rbb wolle – was er bekanntlich nicht wirklich tut -, dürfe er Freien keine Beschäftigungsgarantie geben, so Lange. Wer sollte das verbieten? Na, die KEF natürlich!  Die muss ja immer gerne mal herhalten, wenn ungeliebte Forderungen unter Verweis auf vermeintliche Sachzwänge abgebügelt werden sollen. Beim Ringen um Bestandsschutz ist das aber ein ganz neues Argument, das die GL da aus dem Hut zaubert. Wir fragen uns jetzt, wie der Südwestrundfunk und andere ARD-Sender ihre z.T. sehr weitreichenden Bestandsschutzregelungen umsetzen konnten, ohne dass ihnen die Finanzkontrolleure auf die Finger geklopft haben.

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Ein weiteres, großes Thema auf der Freienversammlung: Die fehlenden Beschäftigungsperspektiven im EB-Bereich. Für fast 1000 Tage, an denen Kameraleute  und EB-Techniker*innen nicht im vertraglich vereinbarten Umfang eingesetzt wurden, musste der rbb im vergangenen Jahr Ausgleichszahlungen leisten. In diesem und den kommenden beiden Jahren rechnet er sogar mit jeweils 1700 Tagen. Kosten dafür: Bis zu einer halben Million Euro pro Jahr. Geld, dass der rbb natürlich genauso gut für Beschäftigung ausgeben könnte – zum Nutzen der betroffenen Kamerakolleg*innen, des Programms und damit der Zuschauer*innen. Macht er aber nicht.

Was die KEF davon hält, dass der rbb so mit Beitragsgeldern umgeht, ist der Freienvertretung nicht bekannt. Allerdings wies die GL am Dienstag zum wiederholten Mal darauf hin, dass es mehr Beschäftigung im klassischen EB-Team nicht geben werde – selbst wenn diese trotzdem bezahlt werden muss. Stattdessen wolle man „modern und zeitgemäß“ produzieren – sprich: billiger und mit weniger Personal. Für EB-Kolleg*innen, die offen und veränderungsbereit seien, werde es jedoch Beschäftigungsperspektiven geben. Doch wie sehen die aus?

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Die zuständige Hauptabteilung Medienproduktion scheint vor allem auf eine „demographische Lösung“ des Problems zu setzen: Durch Verrentung und angestrebte Vertragsauflösungen soll der „Personalkörper“ bis 2025 dem geringeren Bedarf schrittweise angepasst werden. Fortbildungen und/oder Umschulungen auf andere Tätigkeiten werde es dagegen mangels Bedarf allenfalls punktuell geben, so die Einschätzung. Eine Bankrotterklärung, findet die Freienvertretung.

Einzige wirkliche Stellschraube für mehr Beschäftigung sei der Versuch, externe Produktionen wieder ins Haus zu holen. Bei der Vorabend-Reportagenreihe „Hallo Nachbarn“ hat das aber offenbar noch nicht funktioniert: Für 20 Halbstünder sind bislang gerade mal 10 Drehtage für rbb-Teams eingeplant. Der Rest wird voraussichtlich von Produktionsfirmen und VJs gestemmt.

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Auch die Autor*innen macht „Hallo Nachbarn“ nicht wirklich glücklich. Mit 4.500 Euro pro Folge liegt das Honorar deutlich unter dem Betrag, den rbb-Tarifvertrag bzw. gemeinsamen Vergütungsregeln für solch ein Format vorsehen. Begründung der Programmdirektion: Thema, Idee und Recherche würden komplett von der Redaktion vorgegeben, mit dem Honorar werde nur die – dadurch vergleichsweise unaufwändige – Realisation abgegolten. Mittlerweile haben sich einige Autor*innen der Reihe an die Freienvertretung gewandt und darauf hingewiesen, dass z.B. Recherche, Suche nach Protagonist*innen oder Themenentwicklung durchaus von ihnen geleistet werden müsse – nur eben unbezahlt.

Angesichts möglicher Dumping-Honorare ist jetzt auch der Berufsverband der Dokumentarfilmer*innen, die AG DOK auf den Plan getreten. In einer gemeinsamen Informationsveranstaltung mit der Freienvertretungwollen wir klären, welches Honorar wirklich angemessen wäre und wie es sich durchsetzen lässt. DieInfoveranstaltung „Hallo Nachbarn“ – neue rbb-Dokus zum Billigtarif? findetam Dienstag,21. Juni, 18-19 Uhr als Zoom-Meeting statt. Der redaktionell verantwortliche Abteilungsleiter für Dokumentation und Zeitgeschehen, Johannes Unger, wird ebenfalls dabei sein. Hier der Link und die erforderlichen Daten für die Teilnahme:

https://us02web.zoom.us/j/83221163496?pwd=Z1Nzdy9QVWJ0WWM4TUkwbnIxdTVHZz09

Meeting-ID: 832 2116 3496

Kenncode: k990gB

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Jetzt aber erstmal: Schönes Wochenende!

Eure Freienvertretung

Probleme mit den Intranet-Links? Wer von außen auf das Intranet zugreift, ersetzt den URL-Anfang (https://intranet.rbb-online.de/) durch https://mein.rbb-online.de:11005/.

Vorabendhonorare + Beschäftigungssicherung + Online-Umfrage


Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wie kommt das rbb Fernsehen aus dem Quotentief, in das es seit der Einstellung von zibb Ende letzten Jahres gerutscht ist? Mit hochwertigem, gut recherchiertem regionalem Programm sollte man meinen! Diese Erkenntnis schien sich auch in der Programmdirektion durchgesetzt zu haben: Sie will der Quotenkrise vor allem im Vorabend begegnen, indem für das Magazin „Schön und gut“ drei zusätzliche regionale Beiträge produziert werden. Die Freienvertretung applaudierte bereits zu dieser vermeintlichen Trendwende hin zu mehr Regionalität und Programmqualität. Doch die scheint sich schon jetzt als Rohrkrepierer zu erweisen.

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Aus für Abstandsregeln + DMH-Infoveranstaltung + 9-Euro-Ticket

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

der rbb lässt die Masken fallen! Diesmal nicht im metaphorischen Sinne, sondern buchstäblich: Seit dem Himmelfahrtstag sind die Corona-Abstandsregeln und damit auch die Maskenpflicht im rbb aufgehoben – nach über zwei Jahren können wir unseren Kolleg*innen auch im rbb wieder ins unverhüllte Gesicht schauen!

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Mehr Regionalität + Freie gesucht + Umfrage zur Stimmung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

dieser Tage ist ja oft von einer „Zeitenwende“ die Rede auf der großen politischen Bühne. Wir im rbb haben eine regionale Zeitenwende ja schon längst hinter uns. Die hat im vergangenen Jahr stattgefunden, als über 70 Kolleg*innen von zibb mitgeteilt wurde, dass sie fortan wohl nicht mehr gebraucht würden.  Das regionale Wohnzimmer, das zibb für viele Zuschauer*innen war, wurde kurzerhand geräumt. Kam nicht so gut an – weder bei den Kolleg*innen noch bei den Zuschauer*innen. Die Quote am Vorabend ist im freien Fall. Deshalb nun die Kehrtwende, wieder hin zu mehr Regionalität. Täglich sollen nun wieder drei eigenproduzierte Filme aus der Region im Vorabend zu sehen sein. Das Geld dafür kommt übrigens aus der eisernen Reserve des Programmdirektors. Das ist gut, findet die Freienvertretung. Nicht so gut ist, dass für die Umsetzung nun freie Kolleg*innen fehlen. Etliche haben wohl nach der Einstellung von zibb das Weite gesucht bzw. andere Auftraggeber gefunden. Viele stehen – so beklagen die Redaktionen – nicht mehr zur Verfügung.

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