Newsletter: Frauentag, Honorare, Resturlaub

Liebe Kolleginnen,

die Freienvertretung wünscht alles Gute zum Frauentag! Und, liebe Kollegen, sie freut sich auch mit allen, für die der 8. März zum ersten Mal ein Feiertag ist. Weil der Sitz der Freienvertretung Berlin ist, kommt der Newsletter in dieser Woche schon am Donnerstag.

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Außer guten Wünschen haben wir den Kolleginnen leider nicht viel zu bieten. Die Gleichstellung bei Arbeitnehmerähnlichen sah im Jahr 2018 so aus:
– Von den 1488 12a-Freien waren 717 Frauen – nicht ganz die Hälfte.
– Durchschnittliches Jahreshonorar: Frauen 34.742  Euro, Männer  36.874 Euro. Differenz 2.132 Euro. Die Männer haben dafür zwar im Schnitt zwei Tage mehr gearbeitet – eine Durchschnittsfreie muss für diese Summe allerdings drei Wochen arbeiten.

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Und wer müsste diese Ungerechtigkeit endlich mal abstellen? Richtig: Die Freienvertretung. Und nur die Freienvertretung. Das hat sich jetzt die Staatskanzlei Brandenburg schriftlich durch eine anwaltliche Expertise bestätigen lassen. Die rbb-Frauenvertreterin ist ausschließlich für die Arbeitnehmerinnen zuständig. Für die Arbeitnehmerinnenähnlichen ausschließlich die Freienvertretung. Das machen wir natürlich sehr gerne, aber leider nicht eben sehr schlagkräftig. Kapazitätsvergleich: Mit einer Freistellung (aufgeteilt auf drei Personen) hat die Freienvertretung das Arbeitsfeld des Personalrats zu beackern (3 Freistellungen), plus das Aufgabengebiet der Frauenvertreterin (1 Freistellung) und zusätzlich noch das der Schwerbehindertenvertretung (Teilfreistellungen). Dass für Freie weder das Gleichstellungsgesetz gilt noch die Mitbestimmungsrechte des Personalrats oder das Sozialgesetzbuch macht unsere Aufgabe nicht leichter.

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Aber wir haben die Kraft des positiv Denkens! Gut, dass die Evaluation des Freienstatuts jetzt in Gang kommt. Auch wenn die Expertise der Staatskanzlei sogar unsere defätistische Einschätzung unterboten hat. Wir hoffen, dass jetzt schnell auch Konsequenzen folgen. Wir brauchen mehr Rechte. Die Gewerkschaften fordern „Freie in den Personalrat„, am besten ab Mai 2020 (wenn die nächsten Personalratswahlen sind).

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Dieselbe Expertise hat übrigens auch festgestellt, dass der rbb uns keine personenbezogenen Daten über Freie aushändigen darf wegen der fehlenden Rechtsgrundlage. Immerhin eine anonymisierte Auswertung der Urlaubstage haben wir bekommen. Ende 2018 hatte jede*r Fünfte noch keinen einzigen Tag des Jahresurlaubs genommen – 311 Kolleg*innen! Wir dürfen ja leider ihre Namen nicht kennen und können über die Gründe nur spekulieren. 50 haben Studierendenvereinbarungen – könnt ihr mal den Studis einen Tipp geben, dass sie einen Antrag stellen müssen? Die Youngster kennen ihr Rechte vielleicht noch nicht. 43 weitere sind dagegen garantiert schon ein paar Jahre dabei – sie haben sogar Bestandsschutz. Die Fritzen kämpfen gerade um faire Honorare für ihre neuen digitalen Formate – 22 von ihnen könnten ihr Einkommen um rund 11 Prozent aufstocken, allein durch das Ausfüllen des Urlaubsantrags (hier im digitalen Format bequem zum Download…). Kaum zu glauben: 11 gestandene Reporter*innen der Abendschau sind darunter – die wissen doch sonst alles?! Liebe Leserinnen und Leser, bitte helft der Freienvertretung – das blöde Statut erlaubt es uns nicht, die 311 selbst anzusprechen. Sagt doch einfach mal in der nächsten Woche zur Begrüßung statt Guten Morgen „Auch schon den Resturlaub genommen?“ Ende April wird er endgültig verjährt sein.

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Ein bisschen Bewegung gab es diese Woche beim Honorarrahmen Programm. Am Mittwoch das Treffen der Aktionsgruppe in den Räumen der Freienvertretung: Gerötete Gesichter beim Rausgehen, man hört, die planen da etwas… Am Donnerstag Verhandlungen in der Personalabteilung, die Gewerkschaftsdelegation am Ende erschöpft, aber mit Hoffnung auf ein nahendes Ende der wahrscheinlich längsten Verhandlungen der Tarifgeschichte. Man hört: Die Kröten zum Schlucken sind angerichtet – für eine Honorarangleichung auf Festen-Niveau will der Sender Gegenleistungen sehen. Am 2. April werden die Verhandlungen fortgesetzt.

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Neue Rundfunkräte gefällig? Sind letzte Woche frisch eingetroffen. Die erste Sitzung haben sie jedenfalls hinter sich gebracht. Was noch fehlt: Ein Briefing über die Lage der Freien im rbb. Wir haben alle Neuen angesprochen und schon die ersten Kennenlerngespräche verabredet.  Wenn ihr den Rundfunkräten etwas auf den Weg geben wollt, sagt Bescheid – wir richten es gerne aus.

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Last not least: Der letzten Vorbereitungen für den Freienkongress in Leipzig (5./6. April) laufen. 120 Plätze sind schon vergeben, anmelden kann man sich aber noch.

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Einen schönes Wochenende wünscht

Eure Freienvertretung