Offener Brief: Protest gegen die geplante Auslagerung …

… von „Heimatjournal“ und „rbbKultur – Das Magazin“ ab 2027

Sehr geehrte Frau Intendantin,

mit tiefem Unverständnis und entschiedenem Protest reagieren wir, die Programmmacherinnen und Programmmacher, Kamera- und Tonleute, Cutterinnen und Cutter sowie Grafikerinnen und Grafiker des rbb, auf den Beschluss des Direktoriums, das „Heimatjournal“ und das „rbbKultur – Das Magazin“ ab 2027 an externe Produktionsfirmen auszulagern. Diese Entscheidung ist kein Schritt in die Zukunft, sondern ein schmerzhafter strategischer Irrweg, der die programmliche Identität des Senders beschädigt und langfristig weder ökonomisch noch qualitativ haltbar ist.

Wir fordern Sie nachdrücklich auf, diese Entscheidung zu revidieren. Unsere Kritik und die Argumente gegen diese Kurzsichtigkeit stützen sich auf folgende Kernpunkte:

  • Verlust regionaler Kernkompetenz: Das „Heimatjournal“ und „rbbKultur – Das Magazin“ leben von der tiefen Verwurzelung unserer Redaktionen in Berlin und Brandenburg. Externe Produktionsfirmen, die oft rein marktwirtschaftlich agieren, können das über Jahrzehnte gewachsene Vertrauensverhältnis zu den Menschen, Institutionen und Kulturschaffenden der Region nicht kopieren. Sie lagern die Seele unseres regionalen Auftrags aus.
  • Trugschluss der Wirtschaftlichkeit: Die Annahme, externe Produktionen seien dauerhaft günstiger, greift zu kurz. Externe Firmen müssen Gewinnmargen kalkulieren, was entweder zu Lasten der journalistischen Qualität, zu prekären Arbeitsbedingungen für freie Kolleginnen und Kollegen oder schlussendlich zu Nachforderungen führt. Gleichzeitig bleiben die sendereigenen Infrastrukturen und das Know-how ungenutzt – eine massive Verschwendung von rbb-Ressourcen.
  • Schwächung des öffentlich-rechtlichen Profils: Gerade in Zeiten, in denen der öffentlich-rechtliche Rundfunk seine Existenzberechtigung über Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und tiefe regionale Präsenz rechtfertigen muss, schwächt diese Auslagerung unser Profil. Wir machen uns austauschbar. Wenn Inhalte, die unsere regionale Identität stiften, nicht mehr aus dem eigenen Haus kommen, verliert der rbb sein stärkstes Argument gegenüber den Beitragszahlerinnen und Beitragszahlern.
  • Demotivation der Belegschaft und Know-how-Abfluss: Dieser Beschluss signalisiert den eigenen Festen und Freien, dass ihre fundierte Arbeit und Expertise im Haus nicht mehr wertgeschätzt werden. Wir riskieren einen massiven Verlust an journalistischer und gestalterischer Exzellenz, der nicht wieder umkehrbar ist, sobald die internen Redaktionsstrukturen erst einmal zerschlagen sind und die Produktionsinfrastruktur minimiert ist.

Wir fordern jetzt:

Eine transparente Darstellung in welchen Gewerken ein behaupteter Kapazitätsengpass tatsächlich besteht.

Sollte sich der maßgebliche Engpass im Wesentlichen auf die Postproduktion beschränken, während andere Produktionskapazitäten weiterhin vorhanden sind, ist zu erklären, weshalb daraus die vollständige Fremdvergabe einer Produktion in Erwägung gezogen wird.

Ein punktueller oder temporärer Engpass erklärt zunächst nur, weshalb eine bestimmte Leistung nicht intern erbracht werden kann. Er erklärt nicht ohne Weiteres, warum auch sämtliche weiterhin verfügbaren Leistungen extern eingekauft werden müssen.

Es ist daher offenzulegen, ob Alternativen geprüft wurden – insbesondere Personalverstärkung oder interne Umverteilung.

Ein starker rbb braucht keine Verwaltung von extern eingekauften Inhalten, sondern eine starke, mutige und intern verankerte Redaktions- und Produktionslandschaft. Wir sind bereit, über Reformen, Effizienzsteigerungen und moderne Formate zu sprechen – aber im Haus und gemeinsam mit den Menschen, die diesen Sender tragen.

Wir erwarten eine zeitnahe Gelegenheit zum Dialog, um diese strategische Fehlentscheidung abzuwenden.

Mit kollegialen Grüßen,
Programmmacherinnen und Programmmacher, Cutterinnen und Cutter, Kamera- und Tonleute sowie Grafikerinnen und Grafiker des rbb

Erstunterzeichner*innen:
Antje Beyer, Grafikdesignerin
Beate Bossdorf, Autorin
Elias Franke, Kameramann
Christoph Hölscher, Redakteur
Lars Maibaum, Kameramann
Sascha Moser, Grafiker
Bendrik Muhs, Autor
Matthias Neumann, Kameramann
Sebastian Reim, Kameramann
Andrea Ringelstetter, Autorin
Ralph Stolle, Autor
Jan Tautenhahn, Grafikdesigner