Rundfunkbeitrag + Corona + Homeoffice

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Alter, was diese Woche wieder los war“, zugegeben, könnte man auch mal austauschen, diesen nicht mehr ganz taufrischen Claim. Aber Alte*r, was diese Woche wieder los war! Die 50. KW dürfte der einstweilige Höhepunkt eines ohnehin krassen Jahres sein.

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Das mit dem Rundfunkbeitrag hatten wir so jedenfalls noch nicht. Und auch wenn die Aussichten vorm Verfassungsgericht gut sein mögen, die Chancen im Eilverfahren nicht völlig aussichtslos und die Liquidität für 2021 gesichert ist (alles nachzuhören im Mitschnitt der Belegschaftsversammlung) – die beitragsfinanzierte Rundfunk-Welt wird nicht mehr dieselbe sein. Interessante Zeiten. Besonders für Freie.

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Die immerzu optimistische Freienvertretung sieht natürlich in der Krise die Chance. Denn eine heile Welt ist es ja nun wirklich nicht, die sich da gerade ändert. Freienkongress 2016: Schluss mit der 2-Klassen-Gesellschaft. Freienkongress 2017: Ehrlich machen. Freienkongress 2018: Versteckte Opfer des Spardrucks. Freienkongress 2019: Groteske Diskussion um Beitragsstabilität. Zugegeben, die schlauen Resolutionen des ARD-Freienrats sind kein Lösungs-Handbuch für die schwierige Lage. Aber von den Lebenslügen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sind wir 18.000 Arbeitnehmerähnlichen bei ARD und ZDF wohl die größte. (Über die anderen sollen gefälligst andere mal was sagen.)

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Und was war doch gleich mit dem Freienkongress 2020? Ausgefallen wegen Corona, ach ja. Wir hatten im April tatsächlich gehofft, eine „Verschiebung in der Herbst“ sei realistisch. So kann man sich irren. Bis zum 28. Februar 2021 mindestens bleibt der rbb möglichst im Homeoffice, so der Beschluss vom Montag. Fast ein ganzes Jahr ist es dann.

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Kein Wunder, dass der rbb eigentlich doch ganz gerne 100 Euro Zuschuss für alle (12a-Freie und Feste) zahlt, die sich privat fürs Homeoffice einen ergonomischen Stuhl oder Tisch angeschafft haben. Deutlich verwunderlicher, dass die Zahl der Anträge in zwei Wochen noch nicht mal dreistellig ist, wie heute die Personalabteilung auf unserer Homeoffice-Teams-Veranstaltung berichtet hat. Es gibt Geld! Bitte beantragen: gesundheitsschutz@rbb-online.de (Chef*innen bitte in cc setzen).

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Schade, dass es keinen Mitschnitt dieser wirklich informativen Veranstaltung gibt (danke, lieber Personalrat, für die gelungene Organisation). Denn so hatte die Freienvertretung unsere Personalabteilung noch nie übers Homeoffice reden hören. Langfristig, nach Corona, strebe man an, möglichst alle Arbeitsplätze in angemieteten Büros wieder in die Stammhäuser zu integrieren. Denn: Homeoffice schafft Platz. Zwei bis drei Tage in der Woche von Zuhause arbeiten, den Rest im Sender (oder umgekehrt) – das ist für die Geschäftsleitung offenbar kein Tabu mehr. Holla, die Zeiten ändern sich. Dass die Freienvertretung bei der Gestaltung der Einzelheiten mitreden will, ändert sich natürlich nicht …

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… aaaber die Form der Freienvertretung wird sich wohl ändern, um nicht zu sagen, radikal ändern, #freieindenpersonalrat. So sieht es in dieser 50. KW jedenfalls aus. Der rbb-Staatsvertrag wird geändert, das steht fest. Und dass man dabei den rbb-Freien „ihren Herzenswunsch“ erfüllt (wie es ein nicht ganz unmaßgebliches  Regierungsmitglied in dieser 50. KW formulierte), daran hat auch die immer skeptische Freienvertretung inzwischen kaum noch Zweifel. Richtig ist: Die Parlamente haben das letzte Wort (und die Zustimmung zu Staatsverträgen ist keine rpt. keine reine Formalie). Aber unser medienpolitisches Vertrauen in den Brandenburger Landtag und das Berliner Abgeordnetenhaus war nie höher 😉

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Vergleichsweise oldschool arbeitet die Tarifkommission zum Honorarrahmen Programm bzw. zu dessen künftiger Auslegung bei der Einstufung der Redakteur*innen. Zehn Monate seit der ersten Sitzung, immer wieder unterbrochen, meist hart in der Sache und oft auch unfreundlich im Ton. Die noch offenen Fragen sollen jedenfalls in einer anderen personellen Besetzung geklärt werden, immerhin da sind sich Gewerkschaften und Geschäftsleitung von Herzen einig. Das allseitige Zähneknirschen (außerordentlichen Zeitdruck und besondere Fachkennnisse will der rbb nicht besser bezahlen) hätte fast übertönt, dass die Geschäftsleitung wohl mitmacht, einschließlich der versprochenen Nachzahlungen für abnehmende Redakteur*innen, Alleindienste und bestimmte Live-Schalten. Ob man sich am Ende tatsächlich zusammenraufen konnte, erfahren wir wohl in Kalenderwoche 51.

Alter, was diese Woche wieder los war… Einen schönen 3. Advent wünscht

Eure Freienvertretung