Protestbrief von radio3 gegen die Nichtbeschäftigung freier Autorinnen und Autoren über 66

Sehr geehrte Frau Demmer,

wir von radio3 finden die Entscheidung, Freie Mitarbeiter*innen nach Renteneintritt von jeglicher Tätigkeit für den rbb auszuschließen, falsch.

  1. Sie spart kein Geld. Für Beiträge und Redaktionsdienste wird immer dasselbe Honorar gezahlt, egal wie alt oder jung, wie erfahren oder unerfahren der Freie Journalist/die Journalistin ist. Und Beiträge wie Redaktionsdienste werden auch in Zukunft von Freien Mitarbeiter*innen übernommen werden müssen. Ohne sie gibt es kein Programm im rbb.
  2. Die Expertise der Älteren kann nicht ohne weiteres durch jüngere nachrückende Kolleg*innen ersetzt werden. Da in letzter Zeit sehr viele Freie Mitarbeiter*innen nicht weiter beschäftigt wurden, fehlt deren Kompetenz und Arbeitskraft.
  3. Die Entscheidung läuft der gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland zuwider. In einer Zeit, in der darüber diskutiert wird, das Renteneintrittsalter auf 70 anzuheben, wirft der rbb die Menschen schon mit 66+ raus.
  4. Die Entscheidung ist unsozial und diskriminierend. Den Freien Mitarbeiter*innen wurde jahrzehntelang versprochen, dass sie auch nach Renteneintritt Beiträge machen können, um ihre oftmals geringe Rente aufbessern zu können, wenn die Redaktionen sie noch beauftragen.

Das, was immer galt, einfach abzuschaffen, finden wir unsozial. Und, siehe oben, auch nicht sinnvoll.

Nachdem zum Jahreswechsel 2025/26 bei radio3 mehrere Kolleginnen und Kollegen ausscheiden mussten, steht jetzt wieder ein Abschied an. Einer Kollegin, seit über 30 Jahren als Freie Mitarbeiterin beim rbb tätig, war von der zuständigen Wellenleitung eine Ausnahmegenehmigung in Aussicht gestellt worden, über die alle Seiten Bescheid wussten. Als es dann konkret wurde, hat das rbb-Direktorium dieser Genehmigung nicht stattgegeben. Es wurde lediglich einer zweimonatigen Verlängerung zugestimmt, damit die Kollegin sich um ihren nach den Absprachen mit dem rbb eigentlich noch nicht geplanten Renteneintritt bemühen konnte.

Sehr geehrte Frau Demmer, wir möchten Sie und das Direktorium hiermit bitten, sich noch einmal zu überlegen, ob Sie wirklich bei dieser unserer Meinung nach nicht sinnvollen und für die Betroffenen in ihren Konsequenzen schmerzhaften Entscheidung bleiben wollen.

Zumindest was Autor*innenbeiträge betrifft, sollte es unserer Meinung nach möglich sein, auch Menschen nach Erreichen des Rentenalters zu beauftragen, wenn die Redaktion es will. Ihr erzwungenes Ausscheiden bedeutet einen hohen sozialen wie journalistischen Verlust. Qualitätsjournalismus, für den der rbb steht, braucht auch berufs- und lebenserfahrene Journalist*innen.

Mit zuversichtlichen Grüßen,

Oliver Kranz
Frank Schmid
Florian Rumberg
Sarah Hartl
Ulrike Jährling
Roman Neumann/Ruthardt
Nikolaus Bernau
Elisabetta Gaddoni
Matthias Bertsch
Barbara Behrendt
Ursula Vosshenrich
Shelly Kupferberg
Massimo Maio
Holger Zimmer
Susanne Papawassiliu
Jürgen Buch
Kirsten Dietrich
Franziska Walser
Frank Meyer
Antje Bonhage
Ev Schmidt
Anne Spohr
Frauke Thiele
Sophie Wannenmacher
Carolin Pirich
Marta Blazanovic-Drefers
Silke Hennig
Andrea Heinze
Vanessa Loewel
Katrin Stiller
Renate Steiniger
Imke Griebsch
Fanny Tanck
Regine Bruckmann
Paul Sonderegger
Ortrun Schütz
Anke Sterneborg
Matthias Käther
Anja Herzog
Lukasz Tomaszewski
Katja Weber
Henrike Leißner
Birgit Galle
Tomas Fitzel
Jaako Siren
Susanna Tromm
Irene Bluche
Guylaine Tappaz
Anne-Dore Krohn
Susanne Lang
Melanie Freise
Carsten Kampf
Kamilla Kaiser
Stephan Holzapfel

Ich möchte auch unterschreiben – bitte setzt meinen Namen unter das Schreiben!