Fragen und Antworten. Bericht von der Freienversammlung

Wie ist der Stand bei der TV-Programmreform? Wann endet die „Beschäftigungsdelle“ für Freie? Und warum sind die Honorare beim Hörfunk so niedrig? Nur einige von vielen Fragen an Programmdirektor Dr. Jan Schulte-Kellinghaus, der sich der Diskussion mit den rund 70 Teilnehmer_innen der Freienversammlung stellte.

Stand der Programmreform

Alles im Plan bei der Programmreform, so die Kernaussage des Direktors: Im September sollen eine Menge neuer oder runderneuerter Sendungen starten: „Erlebnis Geschichte“ am Dienstag, „Täter Opfer Polizei“ am Mittwoch, die „Abendshow“ am Donnerstag. Außerdem kommt „rbb um6“ auch am Wochenende, Sportblöcke in den Nachrichten ersetzen den Sportplatz und die lange 16-Uhr-Ausgabe von rbb aktuell geht in den Dauerbetrieb. Auch darüber hinaus sind Veränderungen geplant: Stilbruch soll – wahrscheinlich unter neuem Namen – auf den Sonntagabend rutschen, Konzepte für eine regionale Quizsendung sind in Arbeit, das MiMa vom rbb startet planmäßig im Januar 2018. Prinzipiell sollen Sendungen „im Haus“ produziert, Auslagerungen nur in Einzelfällen erwogen werden. Wenn wirklich alles so kommt wie versprochen, müsste die reformbedingte Beschäftigungsdelle schon bald zur „Beule“ werden – viele Freie werden sehsüchtig darauf hoffen.

Transparenz…

Doch warum erfahren wir viele dieser Dinge, die z.T. schon seit Wochen durch den Flurfunk geistern, erst jetzt? Die Kritik vieler Kolleg_innen an mangelhafter Transparenz und Kommmunikation nahm der Programmchef erstmal an und durchaus ernst: Das werde geprüft und gegebenenfalls verbessert. Intransparenz und mangelnde Kommunikation seien jedenfalls nicht „von oben“ beabsichtigt – auch wenn Programmentwicklung manchmal geschützte Räume bräuchte. Das macht Hoffnung auf Besserung!

…und Honorarfragen

Auch den Hinweis, dass nur fair bezahlte Freie auch motivierte Freie seien, nahm Schulte-Kellinghaus zur Kenntnis – ebenso wie die Dringlichkeit eines Honorartarifvertrags für die Freien im Programm, der nun schon seit 13 Jahren ergebnislos verhandelt wird. Warum der rbb dabei jetzt wieder auf die Bremse tritt, wusste der Programmchef nach eigenem Bekunden nicht. Seine Unkenntnis in dieser und anderen Fragen räumte er offen ein und entschuldigte sie damit, dass er ja erst seit hundert Tagen beim rbb sei.

In puncto Honorare zeigte sich erneut, dass die größten Baustellen wohl beim Hörfunk liegen, wie Freie vom Kulturradio eindrücklich ausführten: 230 € für 2-3 Tage Arbeit – seriöse journalistische Arbeit ist unter solchen Bedingungen kaum möglich.

Unser Fazit: Unser Programmdirektor stellt sich auch unbequemen Fragen, nimmt Kritik durchaus an und wird sich im Laufe der nächsten Monate sicher noch tiefer in Honorarfragen einarbeiten, da diese ja direkte Auswirkungen auf die Qualität des Programms haben.

Was noch bewegte

Nach einer guten Stunde verabschiedete sich Herr Schulte-Kellinghaus und gab uns Freien damit noch Gelegenheit, unter uns zu diskutieren, u.a. über

  • den Stand der “Legalize-it“- Kampagne von verdi: Der rbb lehnt eine Festanstellung der nicht-programmgestaltenden Freien weiterhin ab, bietet aber einen recht gut ausgepolsterten Bestandsschutz mit verbesserten sozialen Leistungen.
  • Den ARD-Freienkongress und Freienrat: Als Ergebnis des Freienkongresses in Stuttgart wollen sich die Interessenvertretungen der ARD-Freien (zzgl. ZDF und Deutschlandradio) durch Gründung eines Sprecherrates besser vernetzten und nach außen hin sichtbarer werden.
  • Die Arbeit der Freienvertretung im Allgemeinen. Die Zusammenfassung unserer Arbeit in den letzten zwölf Monaten findet Ihr ab sofort in unserem Tätigkeitsbericht 2017.

Respekt und Rechte für Freie!

Eure Freienvertretung