Hat nichts mit dem Ersatzauftrag zu tun und klingt ein bisschen nach minderwertigem Honorar. Ist es zuweilen auch, aber eigentlich soll das Ersatzhonorar so gut oder so schlecht sein wie das originale Honorar. Es kommt dann zum Einsatz, wenn man etwas für den Sender tut, woran der ein Interesse hat bzw. wozu er verpflichtet ist, ohne dass es ein Standardhonorar dafür geben würde. Im Alltag sind das meist Fortbildungen, Workshops, Klausuren oder besondere Projekte wie die Resonanzgruppe. Der Sender will einen in diesen Fällen nicht mit Honorarverlust bestrafen, wenn man sich schon in seinem Sinne engagiert.
- Warum man dafür nicht einfach die normalen Honorare bezahlen kann, sondern aufwändig Ersatzhonorare festlegen muss? Weil man in vielen Fällen nicht mit Sicherheit sagen kann, welches Honorar einem an so einem Tag verloren geht.
- Besonders einfach ist die Konstellation, an der man ohnehin im Dienstplan steht und ein Honorar vereinbart ist. Dann nimmt man „während der Einsatzzeit“ an einer Fortbildung teil, bekommt das normale Honorar – fertig.
- Aber wenn der Dienstplan noch nicht geschrieben ist und die Dispo bereits weiß: „Die Kolleg:innen kann ich gar nicht einteilen, die sind dann ja in dem Seminar!“ – dann kommt das Ersatzhonorar ins Spiel. Das Prinzip ist so ähnlich wie beim Urlaubsentgelt oder beim Zuschuss im Krankheitsfall – nur mit unterschiedlichen Rechenwegen.
Reichlich knapp haben die Tarifvertragsparteien die Fortbildungshonorare beschrieben und gut in einer Fußnote im Gehaltstarifvertrag 2022 versteckt („individuelles Durchschnittshonorar“, „Honorare für Tätigkeiten der 12 Monate vor dem Datum der Fortbildung“ „gedeckelt in Höhe des Honorars für Redakteur:innen mit erhöhten Anforderungen“). Wesentlich mehr Zeit für die Formulierung hatten sich Dienststelle und Personalrat genommen, als es um die Ersatzhonorare für freie Mitglieder des Personalrats ging. Der Passus umfasst knapp zwei DIN-A4-Seiten und lässt keine Frage offen, ergibt aber im Wesentlichen auch nur das Durchschnittshonorar.
In der Natur des Durchschnitts liegt es, dass einige Honorare darunter, andere darüber liegen. Darum kann ein Ersatzhonorare durchaus ungünstig sein, z.B. wenn man an dem Tag viele bezahlte Überstunden gemacht hätte, die einem nun entgehen. Aber auch günstig, wenn man im Sender hart hätte schuften müssen, aber beim Workshop lange Pausen hat und 16 Uhr pünktlich Schluss ist. Etwas Besseres als Durchschnittshonorar ist den Tarifparteien jedenfalls nicht eingefallen.