Archiv der Kategorie: Stellungnahme der Freienvertretung

Freie dürfen nicht auf der Strecke bleiben 

Die Freienvertretung hält den Rücktritt von Patricia Schlesinger als Intendantin für die richtige Entscheidung. Nur so kann nach wochenlangen Spekulationen in den Medien über vermeintliche oder tatsächliche Verfehlungen in der Chefetage  Ruhe für eine lückenlose und transparente Sachaufklärung einkehren. Dazu muss die gesamte Geschäftsleitung beitragen. Hoffentlich ohne die journalistische Arbeit freier wie fester Kolleg*innen weiter zu belasten.

Durch den Rücktritt von Frau Schlesinger darf aber kein Entscheidungs- und Handlungs-Vakuum im Sender entstehen. Die freien Kolleg*innen dürfen nicht zu Opfern der von ihnen nicht zu verantwortenden Situation werden. So müssen die bereits aufgenommenen Tarifverhandlungen für eine Beschäftigungssicherung langjähriger freier Kolleginnen und Kollegen weitergeführt werden, ebenso wie die zur Mobilen Arbeit. Und auch die überfällige Weiterentwicklung des Honorarrahmens Programm, der nach Jahren der Ungleichbehandlung von Freien und Festen, endlich „Gleiches Geld für gleiche Arbeit“ erzielen soll, darf nicht auf Eis gelegt werden.

Auf den Prüfstand gehören allerdings Großprojekte wie das Digitale Medien Haus (DMH). Die Gefahr, dass hier ein Millionengrab entsteht, das finanzielle Mittel aus dem Programm zieht, ist groß. Weniger Programm bedeutet jedoch die Einschränkung unseres journalistischen Auftrags und letztlich eine weitere Schwächung des Senders. Mit der Einstellung von zibb ist bereits eine Fehlentscheidung getroffen worden, die enormen publizistischen Schaden in der Region angerichtet hat. Anstatt die regionale Berichterstattung zu stärken, ist ausgerechnet hier der Rotstift angesetzt worden. Das gilt auch für die neuen „Regionalkorrespondent*innen“, allesamt freie Kolleg*innen, deren Arbeit komplett unterfinanziert ist. 

Auch muss endlich Schluss sein mit der Verschwendung von Beitragsgeldern für bestandsgeschützte Kameraleute, die zwar bezahlt, aber nicht eingesetzt werden, weil sie angeblich einem digitalen Wandel im Wege stehen. 

Der rbb muss seinen Weg in eine digitale Zukunft fortsetzen. Das darf aber nicht auf Kosten der freien Mitarbeitenden geschehen, die durch fragwürdige Programmentscheidungen in ihrer Existenz bedroht werden. Denn gerade sie werden gebraucht, um durch fundierte journalistische Arbeit weiteren Schaden vom rbb abzuwenden.

Vorwürfe + Bestandsschutz + Energiepreispauschale

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das klassische Sommerloch sieht wahrlich anders aus! Auch wenn die Freienvertretung – so wie vermutlich die meisten freien und festen Kolleg*innen auch – nur Beobachterin der sichweiterhin überschlagenden Medienberichteüber den rbb  ist – über Langeweile können wir im Moment jedenfalls nicht klagen! Auch wir staunen über die täglich neuen Hervorbringungen und rätseln, was als wohl als nächstes auf den Tisch kommen könnte?

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Nun also der Rücktritt unserer Intendantin vom ARD-Vorsitz. Jeden Tag melden sich Journalistenkolleg*innen von regionalen und überregionalen Zeitungen und Sendern bei der Freienvertretung um zu erfahren, wie es den freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der gegenwärtigen Situation geht. Die Antwort ist einfach: „Nicht gut!“ Denn es sind nun mal in der überwiegenden Mehrzahl freie Kolleginnen und Kollegen, die mit Kameras und Mikros vor Ort auf unsere potenziellen Zuschauer*innen treffen. Bei allem, was wir hören, scheinen die Beitragszahlenden nicht gerade zimperlich mit ihrer Kritik am öffentlich rechtlichen Rundfunk zu sein. Diese Anfeindungen und Beschimpfungen müssen sich die freien Kolleg*innen gefallen lassen. Viele macht das mürbe, bei der täglichen Arbeit einem ständigen Rechtfertigungsdruck ausgesetzt zu sein. Zumal die Allermeisten aus voller Überzeugung für den öffentlich rechtlichen Rundfunk arbeiten und sich nun in ihren Grundüberzeugungen erschüttert sehen. Vielleicht nimmt der Rücktritt unserer Intendantin vom ARD-Vorsitz ein bisschen „Dampf aus dem Kessel“, so dass sich die Arbeitssituation der Kolleg*innen wieder etwas entspannt? 

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Wie aber geht es weiter im rbb?

Vor allem die zuletzt bekannt gewordenen Informationen über ein Bonussystem für Führungskräfte hat für viele Freie das Fass zum Überlaufen gebracht. Von „Messen mit zweierlei Maß“ ist die Rede. Bei den Honoraren für die Freien werde um jeden Euro gefeilscht, „oben“ mache man sich die Taschen voll. Tatsache ist, dass die Freienvertretung – wie vermutlich die allermeisten Kolleg*innen – erst aus der Presse von Bonuszahlungen für Führungskräfte erfahren hat.  Im Sinne der angekündigten Transparenzoffensive fordern die Kolleg*innen auch hier „lückenlose Aufklärung“. Da kann sich die Freienvertretung nur bedingungslos anschließen!

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Die „lückenlose bzw. schonungslose Aufklärung“ scheint das Gebot der Stunde. Es dürfe nicht der Hauch eines Verdachts bestehen bleiben, ist auch aus Gewerkschaftskreisen zu hören. Verdi fordert zudem in einer aktuellen Stellungnahme, dass die festen und freien rbb- Beschäftigten endlich an rbb- und ARD-Reformplänen beteiligt werden.  Keine schlechte Idee! Die Freienvertretung hilft gerne mit konstruktiven Vorschlägen für anstehende Reformen aus. 

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Doch tatsächlich gibt es noch ein Leben abseits vermeintlicher Häppchen-Runden, Beraterverträgen und Baukosten. Die Älteren erinnern sich, da war doch was? Richtig! Dienächste Verhandlungsrunde zur Beschäftigungssicherung (aka #bestandsschutzfüralle) steht an. NächstenFreitagam 12. August treffen sich die Delegationen von rbb und Gewerkschaften erneut. Wie sich die aktuelle, doch sehr angespannte Situation im Sender auswirkt, wird abzuwarten sein. Bei den zurückliegenden Treffen hat sich derrbb jedenfalls nicht besonders verhandlungsbereit bezüglich der sozialen Absicherung seiner langjährigen Freien gezeigt, beklagen die Gewerkschaften. Was im Mai ja dann auch zum Streik führte – übrigens mit fulminanter Unterstützung der festen Kolleg*innen.

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Nach dem Streik war der rbb jedenfalls bereit, über das von den Gewerkschaften vorgeschlagene  Stufenmodell zu sprechen. Den Gewerkschaften war es von Anfang an wichtig, den verbesserten Schutz der Älteren nicht auf Kosten der Jüngeren durchzusetzen. Nach demGewerkschaftsvorschlag baut sich die Beschäftigungsgarantie im Laufe der Jahre auf.Keine „harte Kante“ also, die zum Rauswurf VOR einer Beschäftigungssicherung führen könnte. Fand der Sender nur so mittelgut und präsentierte einen eigenen Vorschlag. Die Zusammenfassung und Bewertung des Angebots durch die Gewerkschaften könnt ihrhier noch einmal nachlesen. Nun wird also weiterverhandelt und wir alle können auf das (Zwischen-)Ergebnis gespannt sein. Frische Infos zum Thema bekommt ihr bereits im nächsten Newsletter.

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Und gleich am Montag drauf (15. August) wird schon wieder verhandelt! Dann geht es um denTarifvertrag „Mobile Arbeit“. Also welche Standards müssen eingehalten werden, wenn die Kolleg*innen zuhause arbeiten? Vor allem: wer darf und wer nicht? Was wird finanziert und in welcher Höhe? Grundsatzfragen, die die momentan geltenden „Richtlinien“ nicht, bzw. nicht unbedingt im Sinne der Beschäftigten thematisieren. Wir hören immer wieder mal von Freien, dass ihre direkten Vorgesetzten aufPräsenz am Arbeitsplatz im Sender bestehen. Oft, ohne überzeugende Gründe. Sollte das bei euch der Fall sein, dann meldet euch gerne bei der Freienvertretung.

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Und dann ist da ja auch noch die EPP. Keine neue Partei, sondern die Energiepreispauschale. Dabei handelt es sich um eine staatliche Unterstützung, um die explodierenden Energiekostenabzufedern. Die Pauschale soll vom Arbeitgeber an die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer überwiesen werden. Die Frage ist, inwieweit diese Praxis auch auf die arbeitnehmerähnlichen Freien angewandt wird. Der rbb ist dazu derzeit in Klärung mit den anderen ARD-Anstalten. Man will ein analoges Vorgehen abstimmen, um keinen Wildwuchs von Anstalt zu Anstalt zu provozieren. Das Ergebnis soll zeitnah bekannt gegeben werden. Alle anderen Fragen zur Energiepreispauschale werden auf der Seite des Finanzministeriums recht ausführlich beantwortet.

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Jetzt aber erstmal: Schönes Wochenende!

Eure Freienvertretung

Probleme mit den Intranet-Links? Wer von außen auf das Intranet zugreift, ersetzt den URL-Anfang (https://intranet.rbb-online.de/) durch https://mein.rbb-online.de:11005/.

Compliance-Vorwürfe + Freiensprecher*innen + Ergänzungsurlaub

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

viele Freie freuen sich drauf, viele Chefs fürchten ihn: Unser wöchentlicher Newsletter ist innerhalb des rbb längst zur festen Institution geworden – nun wird auch erstmals in der Presse außerhalb des rbb daraus zitiert. Mit einer „mehrseitigen Stellungnahme“, schreibt derTagesspiegel am Montag, habe sich die „Vertretung der Freien Mitarbeiter“ zu Wort gemeldet. Sie beklage darin, „nur noch aus der Presse über die Vorgänge im Sender zu hören“, und fordere die „Offenlegung der Kosten für das geplante digitale Medienhaus“ – nicht zuletzt, weil Einsparungen meist bei den „Honoraren der freien Journalisten“ stattfänden. 

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Auch wenn es bekanntermaßen jeden Freitagsolch eine „mehrseitige Stellungnahme“ von uns zu lesen gibt – und diese sich auch eher an dieinterne rbb-Öffentlichkeit wendet, müssen wir eingestehen: Korrekt zitiert! Und wenn es der Sache dient, lassen wir uns auch gerne zitieren!

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„Die Sache“ – das ist die Aufklärung der Vorwürfe, die auch in dieser Woche ungebremst auf die Intendantin und die Geschäftsleitung einprasseln: Neben umstrittenen Häppchenrundenfragwürdigen Beraterverträgen und explodierenden Projektkosten fürs Digitale Medienhaus geht es nun auch noch um einen angeblich geplantenGriff in die Betriebsrentenkasse bei der Finanzierung des Medienhauses und um den Dienstwagen von Frau Schlesinger.

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Immer mehr offene Fragen also – die Antwortendarauf haben uns auch in dieser Woche nicht wirklich zufrieden gestellt. Immerhin hat sich die Intendantin persönlich den Fragen und der sehr selbstbewusst vorgebrachten Kritik der Mitarbeitenden gestellt – in mehreren hybriden Gesprächsrunden etwa bei Brandenburg aktuell, der Abendschau, Inforadio oder rbb24. Dennoch: Die kalkulierten Kosten für das Digitale Medienhaus wurden bislang genauso wenig offengelegt wie die Summe, die der rbb für die Bauvorbereitung schon ausgegeben hat. Auch die Veröffentlichungen im Intranet etwa zur Dienstwagen-Nutzung oder zur DMH-Finanzierung mittels Betriebsrenten-Deckungsstock werfen zum Teil mehr Fragen auf als sie beantworten. Detaillierte Zahlen und Fakten gibt´s dagegen erstmals zur vermeintlichen „Häppchen-Affäre“. Neun Essen mit drei bis elf Personen fanden demnach in den Privaträumen der Intendantin statt. Kosten für den rbb pro Gast: zwischen 23,12€ und 56,53€. Die wirken angesichts der mittlerweile im Raum stehenden Summen inzwischen allerdings tatsächlich wie die sprichwörtlichen „Peanuts“.   

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Immerhin: Die Berliner Staatsanwaltschaft hat mitgeteilt, keine strafrechtlichen Ermittlungengegen die Intendantin aufzunehmen – mangels „Anfangsverdachts“.  Ob die Geschäftsleitung trotzdem gegen Gesetze oder auch selbstgesetzte„Compliance-Regeln“ verstoßen hat, prüft seit dieser Woche nun die Rechtsanwaltskanzlei Lutz/Abel. Dabei will sie interne Dokumente in den Blick nehmen, vor allem aberMitarbeiter*innen befragen. Auch Freie, die etwas zur Wahrheitsfindung beisteuern wollen, können sich ab sofort an die Anwält*innenwenden – deren Kontakte und weitere Informationen zur Untersuchung findet ihr hier.

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Die Intendantin bittet uns Freie dabei um Mithilfe – und gibt uns die ausdrückliche Erlaubnis, auch vertrauliche Informationen und Unterlagen an die Kanzlei weiterzugeben. Im Gegenzug sichert sie uns Vertraulichkeit und Schutz vor Benachteiligung – auch vor „Verminderung des durchschnittlichen bisherigen Auftragsumfangs“ – zu. Wenn ihr etwas beisteuern könnt, aber noch unsicher seid: Wir beraten euch gerne und begleiten euch auf Wunsch auch beim Anwaltsgespräch.

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Bei vielen Fragen und Problemen sind dagegen eure Bereichs-Freiensprecher*innen die ersten und besten Ansprechpartner*innen: Bei Honorarfragen, Dienstplanangelegenheiten, Konflikten mit dem Chef oder Kolleg*innen – oft können sie helfen. Eine aktuelle Liste der Freiensprecher*innen findet ihr ab sofort aufunserer Intranet-Seite. Und falls hinter eurem Bereich noch ein „N.N.“ steht und ihr das gerne ändern wollt: Sprecht uns an, wir unterstützen euch gerne bei der Vorbereitung und Organisation der Wahl.

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Natürlich sind wir auch in vielen anderen Angelegenheiten für euch da. Im Frühjahr hatten sich z.B. einige Kolleg*innen an uns gewandt, weil es Probleme beim Ergänzungsurlaubsentgelt gab. Nach längerer Prüfung durch die Personalabteilung und das Justiziariat können wir euch nun mitteilen: Die Probleme sind im Sinne der Freien gelöst! Es gibt wieder Ergänzungsurlaubsentgelt und rbb-Urlaubsentgelt im Gesamtumfang von bis zu 43 Tagen im Jahr, wenn die Voraussetzungen erfüllt sind. Zu Unrecht abgelehnte Anträge – auch auf Resturlaub für 2021 – werden ggf. erneut geprüft. Bitte meldet euch bei uns, wenn ihr betroffen seid oder Fragen dazu habt.

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Apropos Urlaub: Die leeren Gänge und Bürosim rbb deuten darauf hin, dass viele sich gerade in selbigem befinden. Allerdings gibt es laut aktueller Zahlen der Personalabteilung immer noch 190 arbeitnehmerähnliche Freie, die in den zurückliegenden 12 Monaten keinen einzigen Tag Urlaubsentgelt bekommen haben. Wenn ihr Fragen dazu habt oder Unterstützung beim Ausfüllen des Antrags braucht, schaut gerne bei uns vorbei oder ruft uns an!

Jetzt aber erstmal: Schönes Wochenende!

Eure Freienvertretung

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Compliance-Vorwürfe + Untersuchung + Journalist*innenstudie

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

„Bloss nicht langweilen!“ Zusammen mit unserem gekaperten Newsletter-Claim (s.o.) ist dieser Spruch seit Jahren das Leitmotiv des rbb-Marketings. Er wurde aber wohl noch nie so sehr mit Leben gefüllt wie in diesen Tagen – wenn auch sicherlich ganz anders, als es ursprünglich gedacht war und wir alle uns das gewünscht hätten: Nämlich nicht vor allem mit unserem eigenen, spannenden Programm, sondern mit den täglich neuen Vorwürfen und Enthüllungen rund um die mutmaßlichen Verfehlungen der Intendantin, undurchsichtige Beraterverträge und Baukosten-Schätzungen für das Digitale Medienhaus. Allein die Berichte über die von Schlesinger und Co. ausgeschlagene Einladung des Brandenburger Landtags umfassen sage und schreibe 62 Seiten im rbb-Pressespiegel!

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Tatsächlich bekommt auch die Freienvertretung Informationen über die vermeintlichen Missstände und Verfehlungen im rbb fast nur noch aus der Presse, nicht aus erster Hand. Angesichts der von der Intendantin versprochenen „größtmöglichen Transparenz“ und „klaren Faktenlage nach innen und außen“ finden nicht nur wir das ziemlich enttäuschend. Daran ändern auch die am heutigen Freitag im Tagesspiegel und im Inforadio veröffentlichten Interviews wenig – sie verstärken eher den Eindruck einer selektiven und zuweilen irrlichternden Kommunikationsstrategie. Immerhin: Erstmals räumt die Intendantin eigene Fehler ein und bietet an, dass über ihren neuen Vertrag mit um 16 % erhöhten Bezügen plus Boni noch einmal verhandelt werden könne. Ein Schritt in die richtige Richtung, der aber möglicherweise zu spät kommt, um verlorenes Vertrauen zurückzugewinnen.

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Informationshungrige Mitarbeiter*innen und Landtagsabgeordnete wurden in den vergangenen Tagen jedenfalls mit dem Verweis auf die unabhängige Untersuchung durch die Anwaltskanzlei Lutz und Abel vertröstet. Wir wissen zwar nicht, warum diese der versprochenen Transparenz und offenen Kommunikation entgegensteht, aber ja: Eine solche unabhängige Untersuchung ist richtig und notwendig. Zumal die Intendantin selbst einräumt, dass man „fast jeden Tag neue Fakten auf dem Tisch“ habe. Uns Journalist*innen muss man jedenfalls nicht sagen, wie wichtig die gründliche Recherche ist – notfalls eben auch im eigenen Haus. Am Dienstag hat uns ein Vertreter der Kanzlei erläutert, wie dabei vorgegangen werden soll – und wie auch wir Freien uns daran beteiligen können.

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Neben der Auswertung von Unterlagen soll nämlich die Befragung von Mitarbeiter*innen im Vordergrund stehen: Feste wie freie Kolleg*innen, die Informationen zu dem Komplex rund um Beraterverträge, Häppchenrunden oder Baukosten beizusteuern haben, sind aufgerufen, ihr Wissen mit den Anwält*innen von Lutz und Abel zu teilen. Diese Gespräche sollen auf freiwilliger Basis stattfinden, Beschränkungen wie etwa die Schweigepflicht über dienstliche Angelegenheiten aufgehoben und mögliche Hinweisgeber*innenvor Benachteiligung geschützt werden. Für Freie heißt das: Es soll keinesfalls eine Verminderung der Beschäftigung geben, weil sie Informationen an die Anwälte weitergegeben haben. Das will uns die Intendantin sogar schriftlich geben.

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Von der Einhaltung dieser Standards wird abhängen, ob die Untersuchung erfolgreich und damit ihr Ergebnis glaubwürdig sein kann. Angesichts des erschütterten Vertrauens vieler Kolleg*innen halten wir es trotz des angekündigten Schutzes vor Benachteiligung für wichtig, dass für die Gespräche absolute Vertraulichkeit zugesichert wird. So sollte der rbb nach unserer Überzeugung ohne Einwilligung der betreffenden Kolleg*innen gar nicht erfahren dürfen, wer mit den Anwälten spricht und welche Informationen dabei weitergegeben werden. Vor diesem Hintergrund begrüßen wir die Ankündigung, einen

anonymen Kommunikationskanal für Hinweisgeber*innen zu schaffen, die unerkannt bleiben wollen.

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Gut jedenfalls, dass sämtliche Planungen und Aktivitäten rund ums Digitale Medienhaus bis zur Aufklärung der Vorwürfe erstmal auf Eis gelegt wurden! Allerdings wüssten wir schon gerne, welche kostenwirksamen Entscheidungen denn womöglich schon getroffen wurden. Die unwidersprochenen Berichte über einen 31-Millionen-Euro-Kredit, den der rbb dieser Tage aufnehmen wollte, um bereits angefallene oder bald fällige Kosten rund um das Bauprojekt zu begleichen, tragen nicht gerade zur Beruhigung bei – genauso wenig wie die Meldung, dass der rbb mit Gesamtkosten von 185 Millionen Euro für das Medienhaus kalkuliere.

Die Ausführungen des Verwaltungsdirektors zum Thema werfen hier eher neue Fragen auf als klare Antworten zu liefern. Und auch die Intendantin hält sich zurück, was konkrete Zahlen angeht: Ein genehmigtes Kreditvolumen von 125 Millionen Euro, angebliche Sanierungskosten von 70-80 Millionen Euro – und immer wieder der Hinweis: Genaue Zahlen werde es erst im kommenden Sommer geben. Das ist ganz schön spät!

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Denn auch wenn die Intendantin verspricht, „kein Harakiri“ zu machen – aus leidvoller Erfahrung wissen wir: Wenn Geld fehlt, wird letztlich immer am Programm gespart – sprich: an den Honoraren der Freien. Auch deshalb müssen alle Zahlen – aktuelle Kostenkalkulationen, schon geleistete Zahlungen und bereits eingegangene vertragliche Verpflichtungen rund ums DMH – jetzt auf den Tisch!       

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Viele freie Reporter*innen berichten uns, wie sehr die Vorgänge beim rbb schon jetzt ihre Arbeit belasten. Bei ihren Einsätzen „da draußen“ werden sie mit Vorwürfen konfrontiert, spüren Rechtfertigungsdruck und Misstrauen. Das verschärft die ohnehin schon schwierigen Bedingungen, unter denen die Journalist*innen in Deutschland laut einer neuen Studie der Otto-Brenner-Stiftung arbeiten: Spardruck, digitaler Wandel und öffentlicher Vertrauensverlust verstärken demnach den Stress eines „sowieso schon durch hohe Beanspruchung gekennzeichneten Berufslebens.“ Das – sowie die zunehmende Sorge um journalistische Qualität und Jobsicherheit – erhöhen das Risiko für körperliche und psychische Erkrankungen, so die Studie. Dabei fühlen sich viele Medienschaffende von ihren Arbeitgebern mangelhaft unterstützt. Fast 60 Prozent der befragten Journalist*innen gaben deshalb an, in den vergangenen zwölf Monaten an das Aufgeben ihres Berufes gedacht zu haben. Die Freienvertretung empfiehlt dringend die Lektüre dieser dramatischen Momentaufnahme!

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Falls dieser Tage eine Mail mit dem Absender „WF-Batch“ euer Misstrauen erregen sollte: Es handelt sich nicht um einen gefährlichen Trojaner, sondern lediglich um eine Erinnerung an die „Pflichtschulungen Datenschutz und Informationssicherheit“, die nach den Festangestellten ab sofort auch alle arbeitnehmerähnlichen Freien absolvieren sollen. Und zwar in Form eines „E-Learning“, das 30-45 Minuten dauert und selbstverständlich innerhalb der bezahlten Arbeitszeit erledigt werden darf. Was passiert, wenn Ihr die Schulung nicht absolviert? Ihr bekommt eine Erinnerungsmail. Und dann noch eine. Und noch eine…

Noch Fragen? Antworten findet ihr hier.

Jetzt erstmal: Schönes Wochenende!

Eure Freienvertretung

Probleme mit den Intranet-Links? Wer von außen auf das Intranet zugreift, ersetzt den URL-Anfang (https://intranet.rbb-online.de/) durch https://mein.rbb-online.de:11005/.

Löffelhäppchen + Schlagzeilen + Belegschaftsversammlung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wer in der Aktualität zuhause ist, weiß natürlich: Manche Themen kann man sich nicht aussuchen, die sind gesetzt, ob es einem passt oder nicht. Und so viel ist sicher: Dass unsere Intendantin und der rbb-Verwaltungsratsvorsitzende überregionale Schlagzeilen machen, das passt der Freienvertretung ganz und gar nicht.

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Beschäftigungssicherung + Freienversammlung + EB-Krise

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ein kleiner Schritt für die Geschäftsleitung, aber ein großer Schritt für die Freien – oder war es umgekehrt? Egal. Jedenfalls ist wieder Bewegung im Tarifkonflikt um eine Beschäftigungssicherung für die Freien. Nach dem zwischenzeitlichen Abbruch der festgefahrenen Verhandlungen im März und dem erfolgreichen Warnstreik hunderter rbb-Mitarbeiterinnen im Mai haben sich Gewerkschaften und Geschäftsleitung am Donnerstag erstmals wieder zusammengesetzt. Und siehe da: Es geht voran! Der rbb hat ein neues Angebot vorgelegt. Am kommen Montag gibt es die Gelegenheit, sich im Rahmen einer Teamsversammlung genauer darüber zu informieren und auszutauschen.

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Billig-Dokus + Arbeiten im CNC + Freie im Personalrat

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

war das in dieser Woche etwa die Ruhe vor dem Sturm? Also nicht meteorologisch gesehen. Jedenfalls haben sich die Beratungsanfragen an die Freienvertretung stark in Grenzen gehalten. Vermutlich sind die freien Kolleg*innen ihre wichtigsten Anliegen auf der gut besuchten Freienversammlung in der vergangenen Woche losgeworden. In der nächsten Woche nun zieht ein wahrer Party-Orkan über den Sender. Jeden Tag eine andere Festivität! Jede und jeder von uns kann bei allem dabei sein, sofern das arbeitstechnisch überhaupt einzurichten ist. Aber mehr dazu weiter unten!

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