Kulturradio-Kahlschlag: Nicht auf dem Rücken der Freien!

Der rbb will den Programmetat des Kulturradios von zuletzt ca. 5,3 Millionen Euro ab 2021 um eine Million Euro kürzen, fast 20 Prozent. Dies hat Programmdirektor Schulte-Kellinghaus den Interessenvertretungen und den Kolleg*innen im Kulturradio mitgeteilt. Die Freienvertretung macht darauf aufmerksam:

Eine Million Euro mag aus buchhalterischer Sicht eine schöne runde Einsparsumme sein, mit der man auch in der öffentlichen Spardebatte Punkte machen kann. Für die Freien beim Kulturradio geht es dagegen um ihre Honorare, ihre wirtschaftliche und publizistische Existenz. Es darf nicht sein, dass rbb seine Sparanstrengungen allein den Honorarempfänger*innenn aufbürdet.

Rund 80 Freie beim Kulturradio sind arbeitnehmerähnlich – sie sind vom rbb wirtschaftlich abhängig und sozial schutzbedürftig, so definiert es das Gesetz. Wir erwarten vom rbb, dass er die Kürzungen sozialverträglich gestaltet, genauso wie er es erklärtermaßen bei den Kolleg*innen mit festen Arbeitsverträgen halten will. Finanzielle Spielräume dafür gibt es trotz aller Sparnotwendigkeiten genug.

Die Kürzungen sind ab dem Jahr 2021 vorgesehen – wir müssen die Zeit nutzen, um von Beginn an und systematisch die Interessen der Freien zu berücksichtigen. Die Wellen- und Geschäftsleitung fordern wir auf, unverzüglich Gespräche mit uns und den Betroffenen zu beginnen, wie der Abbau sozialverträglich gestaltet werden kann. Sparen ausschließlich auf dem Rücken der Kreativen kann keine Lösung für die Akzeptanzprobleme des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sein.

Die Freienvertretung

Tätigkeitsbericht der Freienvertretung 2019

Tätigkeitsbericht der Freienvertretung

Im Juni 2019

Vorwort

Liebe Kolleg/innen und Kollegen,

„Respekt und Rechte für Freie“ – unser Claim mag alt sein, bringt aber auch die aktuellen Probleme immer noch auf den Punkt: Respekt können uns immer wieder verschaffen, aber mit den Rechten hapert es weiter. Und auch in diesem Jahr gilt: Rechte fallen leider nicht vom Himmel, sondern müssen erkämpft werden. Tätigkeitsbericht der Freienvertretung 2019 weiterlesen

Im Wortlaut: Der neue Honorarrahmen Programm

Am 22. Mai 2019 haben die Tarifparteien drei Dokumente paraphiert:

Der Tarifvertrag über die Inkraftsetzung setzt den Start des Angleichungsprozesses auf den 1.1.2020 fest und regelt den Übergang bis zum Erreichen des Ziels – vor allem den Schutz bestehender Honorare vor Absenkung und die Dynamisierung bei regulären Tarifsteigerungen.

Der Honorarrahmen definiert die Tätigkeiten und legt die Höhe neuen Honorare fest. Weil der Übergang stufenweise erfolgt, gibt es den Honorarrahmen in zwei Versionen:

  • Der „Start-Honorarrahmen“ tritt zum 1. Januar 2020 in Kraft. Weniger als die dort genannten Zahlen darf der Sender dann nicht mehr bezahlten.
  • Der (Ziel-)“Honorarrahmen“  enthält die Höhe der Honorare, die die Tarifparteien eigentlich für angemessen halten. Wann das Ziel erreicht wird, ist leider offen – aber bis dahin darf kein bisher übliches Honorar abgesenkt werden.

Der Tarifvertrag muss noch von den Gremien bestätigt werden.

Nach 14 Jahren: Honorarrahmen Programm kann kommen

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir freuen uns sehr, dass wir für die Freien im Programm jetzt endlich einheitliche und faire Honorare vereinbaren können. Nach fast 14 Jahren sind unsere Verhandlungen abgeschlossen. Der Honorarrahmen soll am Mittwoch paraphiert werden, danach sind die Gremien gefragt. Der Start der ersten Stufe ist für den 1.1.2020 geplant.

Unser wichtigstes Ziel war immer: Gleiches Arbeit, gleiches Geld. Egal, ob fest oder frei. Egal, ob in Potsdam oder Berlin. Egal, ob in Tagesdiensten oder beim Beitragmachen. Egal, ob beim Radio, im Fernsehen oder Online.

Wir sind überzeugt: Mit dem jetzt vereinbarten Entwurf können wir es erreichen. Darum haben wir ihm schließlich zugestimmt, obwohl wichtige Probleme offen bleiben. Weil der rbb durch das künftig deutlich höhere Honorarniveau mit mehr als 10 Millionen Euro Mehrkosten rechnet, wollte er sich nur auf eine schrittweise Anhebung der Honorare einlassen. Besonders bitter: Nicht einmal einen verbindlichen Endtermin für die Angleichung konnten wir vereinbaren. Fest steht: Wir müssen weiter Druck machen, damit die Angleichung sich nicht bis zum Sankt-Nimmerleinstag hinzieht. Auch einen Ausgleich wegen der längeren tariflichen Arbeitszeiten der Freien (8 Stunden am Tag) gegenüber den Festen (38,5 Stunden pro Woche) wollte der rbb nicht einarbeiten. Auch dafür müssen wir weiter kämpfen.

Wenn die Angleichung zum Jahresbeginn startet, profitieren zunächst vor allem diejenigen, die bisher besonders schlecht bezahlt werden. Für Redaktionsdienste beträgt das Mindesthonorar in der ersten Stufe 236 Euro. Auch für Autor*innen wird diese Summe die Messgröße – wer 8 Stunden benötigt, um ein Stück fertigzustellen, bekommt mindestens diese Summe und entsprechend mehr, wenn es länger dauert. Dazu haben wir mit dem rbb einen komplexen Katalog mit Regelaufwänden für die verschiedensten Beitragstypen entwickelt. Wir hoffen, dass sich das ARD-weit einmalige System bewährt und den vielen oft sehr schlecht bezahlten Autor*innen endlich faire Honorare verschafft.

Wessen Honorare schon heute höher sind, muss auf Verbesserungen leider noch warten – aber sich auch keine Sorgen wegen Kürzungen machen. Wir konnten für die Übergangszeit eine Bestandssicherung aushandeln. Entscheidend für weitere Fortschritte sind die alle zwei Jahre stattfindenden Gehalts- und Honorartarifverhandlungen. Dort werden wir mit dem rbb alle weiteren Erhöhungs-Stufen aushandeln. Zumindest über das Ziel sind wir uns schon jetzt mit dem rbb einig geworden: Freie sollen bei vergleichbarer Arbeit ein vergleichbares Einkommen haben wie die Angestellten der Erfahrungsstufe 8 – die Spanne reicht von 208 Euro (Assistenz, Gehaltsgruppe F) bis  334 Euro (Redaktion mit erhöhten Anforderungen, Gehaltsgruppe C).

Die Verhandlungen haben lange gedauert. Das Ziel ist jetzt endlich in Sicht, aber noch lange nicht erreicht. Wir danken allen, die uns auf dem langen Weg unterstützt haben. Ohne euch können wir nichts erreichen.

Euer Verhandlungsteam

Marika Kavouras, Thomas Klatt, Kathlen Eggerling (ver.di)

Christoph Hölscher (JVBB), Christoph Reinhardt (DJV Berlin)

 

Eckpunkte in Zahlen:

 

Tätigkeit Starthonorar ab 1.1.2020 stufenweise Angleichung Zielhonorar
       
Assistenz 177 208
Gehobene Assistenz 203 246
Redakteur*in 236 286
Redakteur*in mit erhöhten Anforderungen 278 334

 

 

 

Newsletter: Honorarrahmen Programm, Paraphierung, Start 2020

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

die ARD würde jetzt wohl langsam über eine Sondersendung diskutieren, die Freienvertretung dagegen zieht den Freitags-Newsletter kurz entschlossen um einen Tag vor. Wir haben Breaking News:

+++

Der Honorarrahmen Programm ist heute tatsächlich fertig geworden. Die Gewerkschaften und der rbb haben sich auf den Start zum 1.1.2020 geeinigt. Mittwoch wird das Vertragswerk in aller Form paraphiert, dann müssen die Gremien zustimmen. Dass es bis zur Bescherung noch siebeneinhalb Monate dauern soll, weckt natürlich die Ungeduld. Aber verglichen mit den fast 14 Jahren, die sich die Verhandlungen hingezogen haben, sitzen wir sieben Monate einfach auf einer Backe ab, oder?

+++

Irgendwelche Haken an der Sache? Aber reichlich! Die Arbeitszeitlücke (im Wert von 4 Prozent des Honorars) haben die Tarifparteien beherzt vertagt. Dass die Zielhonorare (Erfahrungsstufe 8 der Gehaltstabelle aus den Gruppen C bis F) erst nach mehreren Stufen erreicht werden sollen, war ja schon länger klar. Und weil es dabei völlig offen ist, ob die Angleichung auf Festangestelltenniveau in 3, 5 oder 15 Jahren erreicht ist, muss man fest im Glauben sein, dass tatsächlich alles einmal besser wird. Immerhin gibt es eine solide Bestandssicherung – bis es einmal soweit ist, dürfen die jetzt üblichen Honorare nur noch steigen und nicht mehr sinken.

+++

Aber ausnahmsweise wollen wir mal nicht mäkeln: Der Honorarrahmen ist ein großer Wurf, der rbb rechnet mit mehr als 10 Millionen Euro zusätzlichen Honorarmitteln (die Freienvertretung eher mit 15). Also, unter Gremienvorbehalt: Hoch die Tassen!

+++

Partylaune gibt es in dieser Woche auch bei radioeins. Zwei langjährige Freie sind frisch gebackene Feste – noch nicht rechtskräftig, aber mit den besten Aussichten auf Erfolg, wie die Freienvertretung als Prozessbeobachterin bezeugen kann. Glückwunsch!

+++

Okay, jeder Fall vor Gericht ist ein Einzelfall. Aber was vor allem der Richter am Montag dem rbb-Vertreter mitgegeben (bzw. geradezu an den Kopf geworfen) hat, geht alle an, die vielleicht doch nicht wirklich überzeugt sind, programmgestaltend zu sein, nur weil auf der Abrechnung „Red. Mit.“ steht. Dass jemand PG-Status hat, muss der rbb beweisen, nicht nur behaupten. In der Redaktionssitzung mitreden dürfen ist etwas ganz anderes als persönlich über die Inhalte zu bestimmen. Wir freuen uns auf die schriftliche Begründung und raten allen, die wie die beiden radioeins-Kollegen als Online- oder Musikredakteure eingesetzt werden, zumindest über einen Antrag auf Bestandsschutz nachzudenken. Gerne gemeinsam mit uns.

+++

Eine Statusklage kann man dann ja immer noch machen. Wie die 15 POC-Redakteur*innen. Ihre skandalöse Einstufung in die Gehaltsgruppe F hat jetzt der Personalrat an sich gezogen. Wir sind guter Hoffnung, dass der rbb ein Einsehen hat und nicht gleich die nächste Klagewelle provozieren wird. Oder wie der Richter am Arbeitsgericht Kühn am Montag zu Protokoll gab: „Der rbb hat in diesem Haus seit drei Jahren keinen einzigen Prozess mehr gewonnen.“

+++

In diesem Sinne: Die Zeiten ändern sich. Schönes Wochenende allerseits!

Eure Freienvertretung

Newsletter: +++Programmhonorare+++ Reporter*innenteam+++ Familiensonderzahlung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

Der zurückliegende „Tag der Arbeit“ wäre natürlich sehr geeignet gewesen, um Durchbrüche bei den Programmhonoraren zu vermelden – frei nach dem Motto: Gleicher Lohn für gleiche Arbeit! Leider gab es in der Verhandlungsrunde am Vorabend des Maifeiertags doch noch Dissens. Ein Knackpunkt war die Frage, ob der rbb im Zuge der Angleichung auch die unterschiedlich lange Arbeitszeit von Festen und Freien anerkennt. Newsletter: +++Programmhonorare+++ Reporter*innenteam+++ Familiensonderzahlung weiterlesen

Infoveranstaltung zum Thema Freie und Familie

Alles rund um Kind und Kegel

  • Familiensonderzahlung – hab ich Anspruch darauf?
  • Ich steh im Dienstplan und mein Kind ist krank –was tun?
  • Wie läuft das mit den Kinderbetreuungszeiten?
  • Meine Eltern sind pflegebedürftig – wie kann ich das mit meiner Arbeit vereinbaren?

Einige der Fragen, die auf der Infoveranstaltung beantwortet werden. Ihr habt sicherlich noch mehr?! Um alle Fragen umfassend zu klären, haben wir Experten aus der Personalabteilung eingeladen.

Wann?

  • Dienstag 14. Mai 2019
  • ab 17 Uhr

Wo?

  • Erfrischungsraum HdR
  • Berlin

Eure Freienvertretung

Newsletter: Reporterteam, Familien-Info-Tag, Alternativer Zukunftstag

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

das Reporterteam kommt! Leider ist eine zentrale Forderung der Freienvertretung nicht umgesetzt worden. Bis zuletzt haben wir kritisiert, dass eine Zulage von 30 Euro für den Kameramenschen zu wenig ist. Schließlich ersetzt er zukünftig auch den/die Kameraassistent*in. Da die Freienvertretung wegen fehlender Rechte im Freienstatut nur ein gemeinsames Verfahren mit dem Personalrat durchführen konnte – und der Personalrat letztendlich anderer Meinung war -, sind wir mit unserer Forderung gescheitert. rbb und Personalrat haben sich auf eine Richtlinie für den Regelbetrieb geeinigt. Positiv an der Regelung, an der die Freienvertretung lange mitverhandelt hat: es gibt einen verbindlichen Kriterienkatalog, wann ein Reporterteam eingesetzt werden kann und wann nicht. Und: wer nicht im Reporterteam arbeiten möchte, muss keine Angst haben, dass Einsatztage von der Bestandsgarantie abgezogen werden. Newsletter: Reporterteam, Familien-Info-Tag, Alternativer Zukunftstag weiterlesen

Newsletter: Steuererklärung, Tarifverhandlungen, Reporterteam

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

nach dem Freienkongress ist vor dem Freienkongress! Wir gratulieren den SWR-Kolleg*innen zum Dicken Brett! Freuen uns, dass der medienpolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Martin Rabanus Freie auch in Personalräten sehen möchte. Dass der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer den Rundfunkbeitrag für gute Arbeit und ohne Arbeitsverdichtung für Freie einsetzen will. Und denken viel darüber nach, wie wir nach dem Bestandsschutz für NPG-Freie auch mehr Sicherheit für PG-Freie erreichen können. Es gibt viel zu tun, und in einem Jahr kommen wir wieder zusammen. Vielleicht ja in einem sehr zentral gelegenen Sender, dessen Gesamtpersonalratsvorsitzender freier Mitarbeiter ist. Newsletter: Steuererklärung, Tarifverhandlungen, Reporterteam weiterlesen